Wie wir mit unserer Trauer umgehen wollen und sollten, das empfinden wir als eine zentrale Frage in unserer Gesellschaft. Denn Trauer geht, früher oder später, jeden an. Und Trauer ist zuweilen schwerer zu bewältigen, als sich das heute mancher vorstellen kann. Wir haben dazu viele Erkenntnisse gesammelt und daraus konkrete Empfehlungen dafür entwickelt, was auf Friedhöfen und speziell an Beisetzungsorten erlaubt sein sollte und wie sie gestaltet werden sollten.

Was uns wichtig ist

Trauer braucht einen Ort, der den Hinterbliebenen gut tut. Anonyme und halbanonyme Beisetzungsorte, an denen Trauerhandlungen nicht erlaubt oder möglich sind, haben Nachteile, die vielen Hinterbliebenen oft erst schmerzlich bewusst werden, wenn es zu spät ist. Wir wollen Beisetzungsorte, die nach heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen als Orte heilsamer Trauer funktionieren: Ein Beisetzungsort wird nur dann zu einem „heilsamen Trauerort“, wenn er von den Angehörigen so in Anspruch genommen und gehandhabt werden kann, wie sie es für die Bewältigung ihrer Trauer wünschen und benötigen.

Vielen Menschen ist der Wert, die positive Wirkung eines Beisetzungsortes nicht bekannt – bis sie selbst als Trauernde die Nähe zum Verstorbenen suchen. Einen solchen konkreten Beisetzungsort möchten und müssen viele Trauernde in Anspruch nehmen, indem sie mit Trauerhandlungen, wie dem Einpflanzen oder Ablegen von Blumen und Erinnerungsstücken, oder dem Anzünden von Lichtern ihre Trauer verarbeiten. Das ist nicht nur in der Praxis zu beobachten (wo es oft gegen Regelungen verstößt), sondern auch aus wissenschaftlicher und psychologischer Sicht für viele Angehörige sehr wichtig und hilfreich. Es geht uns darum, mehr Beisetzungsorte so zu gestalten, dass sie den Hinterbliebenen  helfen, ihre Trauer zu bewältigen.

Wir wollen das Bewusstsein dafür stärken, wie Friedhöfe bzw. Beisetzungsorte gestaltet sein sollten und was auf ihnen möglich sein sollte, um heilsame Trauer zu ermöglichen. Wir fordern, Möglichkeiten zur aktiven Bewältigung der Trauer am konkreten und markierten Beisetzungsort (wieder) zu schaffen. Denn bei anonymen und halbanonymen Grabformen und Grabformen, an denen Trauerhandlungen nicht möglich sind, auch außerhalb von Friedhöfen, stehen dem zu oft starke Restriktionen gegenüber.

 

Bei der Entwicklung unterschiedlicher Grabformen ist wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge darauf zu achten, dass eine Grabpflege durch Angehörige nicht verpflichtend notwendig ist, sie aber aktive Trauerhandlungen direkt am Grab bzw. Beisetzungsort ausüben können, wie sie es zu ihrer Trauerbewältigung wünschen und benötigen.

Diese heilsamen Trauerhandlungen sind dabei nicht mit Grabpflege zu verwechseln oder gleichzusetzen. Die Notwendigkeit einer Entpflichtung von Grabpflege einerseits und dem Ermöglichen kleiner, hilfreicher und oftmals heilsamer Trauerrituale direkt am Beisetzungsort von Verstorbenen andererseits gilt es zu erkennen, zu respektieren und in allen zukünftigen Entwicklungen, Planungen und Vorgehensweisen zur Weiterentwicklung der Trauer-, Bestattungs- und Friedhofskultur zu berücksichtigen.

Hier sehen wir einen der wesentlichen Schlüssel für die zukünftige Gestaltung von Friedhöfen, die ihrem wichtigsten Nutzen gerecht werden: der Bewältigung des Verlustes geliebter Menschen. So können sie heilsame Orte für die Gesellschaft werden.

In der Zunahme anonymer und halbanonymer Beisetzungsorte, an denen Trauerhandlungen nicht erlaubt oder möglich sind, sehen wir hingegen gesellschaftliche Probleme. Wir sehen wachsende Kosten für das Gesundheitssystem durch nicht bewältigte Trauer. Wir rufen Kirchen, Kommunen und Friedhofsplaner dazu auf, den Friedhof so zu gestalten, dass er auch im Zeitalter der Individualität als heilsamer Ort funktioniert, angenommen wird und erhalten bleibt.

Zu unserem Kongress „Heilsame Abschiede“ (Oktober 2019) hat Matthias Horx im Ergebnis seiner Studie folgende Erkenntnisse vorgestellt:

Acht Thesen zur Trauerkultur im Zeitalter der Individualität

Über Matthias Horx
Der Trend- und Zukunftsforscher widmet sich in seiner langjährigen Arbeit zu Transformationsprozessen in Gesellschaft und Wirtschaft immer wieder auch Untersuchungen und soziologischen Fragestellungen zum Wandel der Trauer-, Bestattungs- und Friedhofskultur, bedingt durch die großen Trends der gegenwärtigen Epoche wie der Individualisierung und den Wertewandel. Zuletzt hat der Gründer des Zukunftsinstituts zusammen mit seinem Team unter anderem im Rahmen einer Trendstudie untersucht, welchen Stellenwert Orte und andere Faktoren in Trauerprozessen haben.

Wir

Ideeller Träger der Initiative „Raum für Trauer“ ist die Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V., vertreten durch Dr. Dirk Pörschmann.
Mitglieder und Initiatoren der Initative sind weiterhin:  Günter Czasny, Edith Strassacker, Willy Hafner und Gisela Zimmermann sowie viele weitere Unterstützer aus verschiedenen Bereichen der Trauer-, Bestattungs- und Friedhofskultur.

Dr. Dirk Pörschmann

Dr. Dirk Pörschmann forscht und publiziert zur Bestattungskultur. Nach seinem Studium der Kunstgeschichte, Geschichte, Soziologie und Philosophie widmete er sich hauptsächlich der Forschung und Lehre zu kunst- und medienwissenschaftlichen Themen sowie der „Zero-Bewegung“.
Im Besonderen geht er dabei dem Wandel in der Sepulkralkultur nach. Gerade in den vergangenen zwei Dekaden sieht Dr. Dirk Pörschmann weitreichende Veränderungen und diagnostiziert den Bedarf eines gestalterischen Moments, welches die persönlichen Bedürfnisse der Menschen wahr- und ernstnimmt.

Edith Strassacker

Edith Strassacker Die Diplom-Betriebswirtin leitet seit 2001 als Geschäftsführerin die Kunstgießerei Strassacker in Süßen sowie seit 2012 das neu gegründete Unternehmen Strassacker Project. Bereits seit Jahren engagiert sie sich ehrenamtlich im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V., Kassel. Durch ihr Unternehmen, die Kunstgießerei Strassacker, fördert sie die Weiterentwicklung von Friedhofskonzepten und Gestaltung von Grabstätten, wie auch die entsprechenden Forschungsprojekte und Trendstudien. Seit 2021 ist sie die Präsidentin der IHK Göppingen.

Günter Czasny

Günther Czasny beschäftigt sich seit vielen Jahrzehnten mit der Gestaltung von Friedhöfen, Beisetzungsorten und Grabzeichen. Günter Czasny ist Initiator zahlreicher interdisziplinärer Forschungsprojekte und Trendstudien sowie Impulsgeber branchenübergreifender Initiativen und Projekte. Er ist Autor von Publikationen und konzipierte verschiedene Ausstellungen, die sich mit der Weiterentwicklung von Friedhofskonzepten und der Gestaltung von Grabstätten beschäftigen. Günter Czasny ist ausgebildeter Metallgestalter,  Betriebswirt und stellvertretender Geschäftsführer der Kunstgießerei Strassacker in Süßen.

Willy Hafner

Willy Hafner lernte im Rheinland Steinmetz und studierte in München Kunstgeschichte, Kommunikationswissenschaften und Volkskunde. Bis 2013 war er Chefredakteur im Callwey Verlag in München und verantwortete neben verschiedenen Onlineportalen dort unter anderem die Zeitschriften „STEIN“, STEINtime und „Der Steinmetz“. Seit 2014 ist er als selbständiger Kommunikations- und Unternehmensberater tätig.

Gisela Zimmermann

Gisela Zimmermann ist Filmregisseurin, Medien- und Ausstellungskonzeptionistin. Die Autorenfilmerin hat seit über 20 Jahren ihren Themenschwerpunkt auf die Bereiche Sterben, Tod und Trauer gelegt und in diversen Filmen und Ausstellungen umgesetzt. Nach ihrer Ausbildung zur Trauerbegleiterin (Bundesverband Trauerbegleitung e.V.) und bedingt durch viele Erfahrungs-/Therapiegespräche befasst sie sich vermehrt mit dem Ort der Beisetzung, dem Grab, im Kontext „Friedhof als guter Ort für Trauernde“.

Impressum

Herausgeber und verantwortlicher Dienstanbieter nach §5 TMG:
Ideeller Träger der Initiative „Raum für Trauer“ ist die Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V., vertreten durch Dr. Dirk Pörschmann. 

Raum für Trauer
c/o
Ernst Strassacker GmbH & Co. KG
Kunstgießerei
Staufenecker Straße 19
D-73079 Süßen

Tel.: +49 (0)7162 16-0
Fax: +49 (0)7162 16-355
mail@strassacker.de

Geschäftsführerin: Edith Strassacker
Steuer-Nr.: 62046/05501
USt.-ID-Nr.: DE145467529
Handelsregister: Ulm HRA 540783
Persönlich haftende Gesellschafter: Strassacker GmbH
Handelsregister: Ulm HRB 540492

 

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